Wild Flag – Wild Flag


Die Geschichtsschreibung von Riot Grrrl und assoziierten Bands kann zukünftig eine Supergroup verzeichnen. Ihr Name ist Wild Flag und die Mitglieder sind Carrie Brownstein (Sleater Kinney), Rebecca Cole (The Minders), Mary Timony (Helium) und Janet Weiss (Sleater Kinney). Die Wege der vier Musikerinnen aus Portland, Oregon und Washington, DC kreuzten sich bereits zahlreich und auf vielfache Weise: Sleater Kinney tourte mit Helium, The Minders spielten im Vorprogramm von Sleater Kinney, Brownstein und Timony musizierten bei The Spells. Die gemeinsame Zusammenarbeit der befreundeten Musikerinnen lag also auf der Hand. Durch ein gemeinsames Filmmusik-Projekt für eine Dokumentation wurde diese Zusammenarbeit im letzten Jahr auch konkret.

Seit Ende 2010 tourten Wild Flag ausgiebig durch die USA und spielten unter anderem beim SXSW Festival in Austin, Texas. Das erste selbstbetitelte Album erscheint zwar erst am 13. September bei Merge Records, kann aber bereits jetzt auf der Webseite der amerikanischen Radio-Organisation NPR angehört werden.

Der Track „Romance“, der bereits im Juni als Single veröffentlicht worden ist, bildet den Opener des Albums und macht dem/der Hörer_in die Entscheidung zum Weiterhören von Beginn an ganz und gar nicht schwer. Die Gitarren-Melodien kuscheln sich ins Gehör, machen sich im Kopf breit und führen unverzüglich zum Mitnicken und -wippen. Einfach und eingängig im besten Sinne. Die hier besungene Romanze ist eine Liebeserklärung an die Materie selbst – an die Musik:

We love the sound, the sound is what found us.

Um Vergänglichkeit, Zerbrechlichkeit, Kurzlebigkeit und wie Musik uns Bewusstsein hierüber verschafft geht es auch in „Glass Tambourine“:

Listen to the music, to the music
before it passes you by
if you don’t lose it
you’re gonna use it
the black lullaby

Das live-eingespielte Album überzeugt vor allem durch die melodiösen Gitarren- und Keyboardriffs sowie die Gesangsharmonien, die bis zur Vierstimmigkeit reichen (z.B. in „Glass Tambourine“). Die Songs sind poppig und rau zugleich, die Gitarren schrammeln, die Tasten singen, die Stimmen kreischen und verschmelzen im nächsten Augenblick zu vielschichtigen Harmonien. Gerade diese verleihen den Refrains eine Energie, die verdeutlicht, dass die Musik von Wild Flag mehr ist, als die Summe der Fähigkeiten der einzelnen Musikerinnen. Sie „harmonieren“  im Wortsinn.  Janet Weiss beschreibt im Interview ihre Einstellung zu der in der Medienresonanz zur Band omnipräsenten Kategorie der Supergroup:

I do think we’re more than that and most supergroups really suck.

Ich kann ihr nur Recht geben: Wild Flag sind mehr als vier prominente Namen, die eine Band bilden.
Neben zahlreichen US-Shows in den kommenden Monaten bereisen Wild Flag im Dezember auch das http://www.atpfestival.com/“>All Tomorrow’s Parties Festival in England. Bleibt nur zu hoffen, dass sie im Zuge dieses Europa-Abstechers den einen oder anderen Konzerttermin in Deutschland anschließen…

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Wild Flag – Wild Flag

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