Thao & Mirah

Eins und eins macht manchmal mehr als zwei, so auch im Fall der beiden Musikerinnen Thao Nguyen und Mirah. Beide können bereits solo einige Erfolge verbuchen; nach einem gemeinsamen Auftritt beim Noise Pop Festival in San Francisco 2010 und einer anschließenden Tour haben sie nun ein Album zusammen aufgenommen.
Thao Nguyen ist mit ihrem Bandprojekt Thao With the Get Down Stay Down seit 2006 bei Kill Rock Stars unter Vertrag und hat dort bereits zwei Alben veröffentlicht. Ihre Einflüsse liegen klar hörbar in den Bereichen Country/Bluegrass/Folk, die sie statt sie zu kopieren gekonnt aktualisieren wie der Song „Swimming Pools“ zeigt.
Mirah veröffentlichte bereits 1997 ihr erstes Album „Storageland“ bei K Records, seitdem folgten vier weitere Alben, außerdem kollaborierte sie mit „dj’s, baltic music enthusiasts, entomologists and multi-media artists.“ Das Video zu ihrem Song „The Dogs of B.A.“ ist von dem Streetart/Animations-Künstler Blu. Handelt es sich auch (vermutlich) um keine offizielle Zusammenarbeit , so ist das Ergebnis trotzdem sehens- und hörenswert.


Auf dem selbstbetitelten Album „Thao & Mirah“ vereinen sich musikalisch die Stile und Eigenheiten beider Sängerinnen. Ihre jeweiligen Besonderheiten stehen aber nicht bloß nebeneinander, sondern vereinen sich symbiotisch zu etwas Neuem. Das mag zum Teil auch Merrill Garbus von tUnE-yArDs zu verdanken sein, die das Album in den Tiny Telephone Studios von John Vanderslice ko-produzierte, außerdem als Gastmusikerin auftrat und den Opener „Eleven“ beisteuerte. Der hymnische und Synthie-lastige Track kann hier angehört und heruntergeladen werden.
Das Album ist in seiner Instrumentation sehr vielseitig, besonders wenn man die Erwartungshaltung an eine Singer-Songwriter Platte mitbringt. Jazzige Bläser sorgen in „Rubies and Rocks“ für sommerliche Gelassenheit. Neben rhythmischem Klatschen finden sich akustische und elektronische Drumssounds, Mundharmonika und Streicher. Doch was soll man über die Instrumente viele Worte verlieren, wenn zwei unglaublich begnadete Sängerinnen den Ton angeben. Thaos eher tiefe Stimme ist an Sanftheit kaum übertreffbar und verschmilzt mit Mirahs manchmal kindlich anmutendem und über alle Register erstrecktem Gesang wie Butter in einer heißen Pfanne. „Sugar and Plastic“ bringt Mirahs stimmliches Können auf den Punkt: Über perkussives Gitarrenspiel mit vielen Slides springt sie vom Falsetto in weiche Tiefen als würde sie nie etwas anderes tun. Elektronische Drums untermalen in „How dare you“ einen imaginären Dialog eines sich voneinander distanzierenden Paares, den Thao und Mirah austragen und der sich im Refrain zu zweistimmigen Harmonien verbindet. Ein düster-bizarrer Ausreißer ist das Stück “Likeable Man”. Verhallte Drumschläge, schief quietschende Bläsertöne und eine monotone Stimme, die wie in Trance folgende Worte wiederholt: „Put your hands down your pants, before your daddies do“. Kitschige zweistimmige Harmonien täuschen im Refrain eine heile Welt vor, bevor die Zeile in der Strophe erneut wiederholt wird.
Die Songs „Folks“, „How Dare You“ and „Little Cup“ haben Thao und Mirah just in einer Radio Session bei KDHX performt, der man hier lauschen kann.
Die Beiden betrachten ihre Bekanntheit auch als eine Verantwortung, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen und gegen diese vorzugehen. Auf ihrer Tour setzen sie sich mit jedem verkauften Ticket für lokale Zentren gegen häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch ein, dabei arbeiten sie mit der Organisation Air Traffic Control zusammen, die MusikerInnen dabei unterstützt ihren Erfolg effektiv zu nutzen, um sich gegen soziale Ungerechtigkeit zu engagieren. Thao und Mirah rufen ihre Fans auf, nicht passiv zu bleiben:

„We are encouraging our fans to raise their voices in support of positive social change. […] Through discourse, education, action and strategy we believe it is possible to create communities in which all people are given the respect they deserve.”

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2 Gedanken zu “Thao & Mirah

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