Mary Ocher – War Songs

Moskau – israelisches Kibbuz – Tel Aviv – Berlin: reichlich Stationen für eine 24/25-Jährige. Mary Ocher besuchte eine jüdische Schule und studierte Film in Tel Aviv, brach ab, gründete eine Band, zog nach Berlin. Ihr Solo-Album „War Songs“ erschien bereits 2008 und wurde im Februar 2011 erneut vom Label Haute Areal herausgebracht. Die Songs auf dem Album kreisen um Themen wie Krieg, Verbrechen, sowjetische Witwen, Mord und Mütter, die lieber Söhne gebären sollten… Doch ist dieses Album weniger düster, als seine Thematik den Anschein gibt.

Die ersten Stücke des Albums sind musikalisch sehr reduziert und kommen mit sparsam geschrammelter Gitarre und Gesang aus, bei dem einem Schauer über den Rücken laufen. Die anfängliche Zurückgenommenheit weicht zunehmend lauteren Klängen: verzerrte Gitarre („Six dead white men“), Filter und Micky Mousing („General Springer“) kommen zum Einsatz. Dabei bleibt der Sound Lo-Fi, die Instrumente erfüllen zumeist eine begleitende Funktion. Mary Ochers eigene Beschreibung fällt bescheiden aber realistisch aus:

it has no orchestra, no choir, no epic guitar songs nor any sophisticated electronica, only bare songwriting.

Mary Ochers Stimme steht zu jedem Zeitpunkt im Mittelpunkt und füllt die Songs mit einer jegliche Aufmerksamkeit einnehmenden Spannung aus: Sie platziert ihre Zuhörer in die erste Reihe ihres Theater, in welchem man gebannt ihrem musikalischen Monolog lauscht. Sie erzählt, lacht, regt sich auf, wiehert, brüllt, röhrt, kreischt hysterisch und fällt im nächsten Moment in ruhige Tiefen ab. Ihr Stimmumfang reicht vom Dachboden bis in den Keller. Dabei schafft Mary Ocher es, diverse Stimmungen mit stimmlichen Mitteln zu erzeugen: Von pathetischer Ernsthaftigkeit zu ironischer Übertreibung oder kindlicher Wut steckt einen auch allzu oft pure Freude an. Dieser Stimme kann man sich nicht entziehen: Sie packt dich und lässt dich nicht mehr los, bis sie verstummt ist.

Die Künstlerin, die ihre Weltsicht als „Anarchism mixed with slight Aestheticism” umschreibt, nennt im Interview mit Jenny Woolworth einige Einflüsse: „I guess it’d have to be a Frankenstein creation made of bits of Buffy Sainte-Marie, a young Patti Smith, Nina Hagen, Odetta, Peggy Lee, Nico, Marlene Dietrich, Eartha Kitt, Diamanda Galas, Grace Jones, Dusty Springfield, Lydia Lunch and recently Betty Davis (the foxy 70’s funk singer). Maybe also a little of Sylvia Plath, though i think that today she seems much less impressing to me than she used to.”

Konzerte von Mary Ocher:
01.07.11 – Hamburg, Übel und Gefährlich
04.07.11 – Berlin, Silver Future
08.07.11 – London, The Constitution
09.07.11 – London, Biddle Bros
11.07.11 – London, Monarch
12.07.11 – London, Club Wotever @ Royal Vauxhall Tavern
23.07.11 – Berlin, Down by The River festival @ Kater
28.07.11 – Berlin, Chantal’s House of Shame @ Bassy
07.08.11 – Berlin, PORK! @ Ficken3000
12.08.11 – Hamburg, Kampnagel Festival
23.09.11 – Graz, Steirischer Herbst art festival
24.09.11 – Berlin, Recycled Creativity festival @ Löhnmule

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